Schlagwortarchiv: featured

Acht Brücken. Musik für Köln.

Heute beginnt in Köln zum fünften Mal das bis zum 10. Mai laufende Festival „ACHT BRÜCKEN“.

Das vollständige Programm des Festivals gibt es hier.

Das Festival: Musik. Politik?

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln widmet sich mit seiner fünften Ausgabe, vom 30.  April bis 10. Mai, dem Spannungsverhältnis zwischen Musik und Politik. Im Fokus steht der niederländische Komponist Louis Andriessen, der sein ganzes Leben hindurch
die beiden Wirkungsfelder Musik und Politik in Beziehung setzt. Insgesamt 14 Aufführungen seiner Werke aus der Entstehungszeit von 1970 bis 2013 geben einen Einblick in sein kompositorisches Schaffen. Darunter sind „De Staat“, das Werk, das Andriessen 1976 zu internationaler Berühmtheit verhalf und „M is for Man, Music,
Mozart“, ein Soundtrack zum gleichnamigen Film von Peter Greenaway.  Die beiden Porträtkonzerte am 4. und 10. Mai sind ganz dem Schaffen Andriessens gewidmet.

Kann Musik politisch sein? Ein Blick auf das politische Lied scheint eine eindeutige Antwort zu liefern, untersucht man hingegen eine Komposition, bei der weder Form noch semantische Ebene auf eine politische Aussage verweisen, wird es schon komplexer.  Was bedeutet überhaupt eine politische Aussage in einer musikalischen
Form? Kann ein Dreiklang politisch sein?

Es gibt Namen, die im Diskurs von Musik und Politik nicht fehlen dürfen.  Dem Festivalthema entsprechend erklingen Werke von Hans Werner Henze, Luigi Nono, Heiner Goebbels oder Luciano Berio ebenso wie Kompositionen von Paul Dessau, Georg Katzer oder Friedrich Schenker. Besondere Spielstätten verleihen den Aufführungen eine individuelle Note, so ist Henzes „El Cimarrón“ in der Lagerstätte für mobile Hochwasserschutzelemente zu hören, Nono ist ein ganzer Abend in der Kunst-Station Sankt Peter gewidmet und die musiktheatralische „Befreiung“ und „Songs of
Wars I have seen“ von Goebbels erklingen im DEPOT 1 des Schauspiel Köln.

Doch nicht nur europäische Künstler und Themen sind präsent,  der US-Amerikaner Frederic Rzewski bezieht sich mit „The People United Will Never Be Defeated!“ auf den Militärputsch in Chile von 1973. Die Rapperin und Tochter von Exil-Chilenen, Ana Tijoux, ist eine Repräsentantin der jüngeren Generation desselben Landes, die an die Thematik von Diktatur und sozialer Ungerechtigkeit anschließt.

Die namhaften Orchester New York Philharmonic, mit einer Uraufführung von Peter Eötvös und Wiener Philharmoniker, mit einer Uraufführung von Olga Neuwirth, sowie die Klangkörper Ensemble intercontemporain, Ensemble Modern, Ensemble  Musikfabrik, Klangforum Wien, Asko|Schönberg, Ensemble Resonanz, Ensemble Garage, ensemble ascolta sorgen für ein außergewöhnliches Klangerlebnis in der Umsetzung des heterogenen Programms.

Der WDR als einer der Träger des Festivals trägt nicht nur mit Mitschnitten und Übertragungen zum Gelingen des Festivals bei, sondern ist mit der WDR Big Band, dem WDR Sinfonieorchester Köln und dem WDR Funkhausorchester am 7., 8. und 10. Mai auch auf der Seite der Interpreten vertreten.

Ein Highlight des Festivals ist die Erbauung einer gemeinsamen fiktiven europäischen Stadt aus Musik, Kunst, Wissenschaft, Film und Literatur. An einem Tag und einer Stunde entsteht ab dem 2. Mai im ACHT BRÜCKEN Freihafen – Ein Tag und eine Stunde in urbo kune ein klangexperimentelles Großereignis. Urbo kune ist ein
Begriff der internationalen Kunstsprache Esperanto und bedeutet „gemeinsame Stadt“. Der Festivalbesucher kann den ästhetischen Spielraum bei freiem Eintritt erkunden.

Im Konzertsaal der Kölner Philharmonie, den Foyers, im Filmforum, im »Ludwig im Museum« und auch im Festivalzelt erklingen, unter der Leitung von Enno Poppe und dem Klangforum Wien, Werke von über 20 verschiedenen Komponisten.

Beim diesjährigen Festival entstehen nicht nur Zukunftsvisionen von urbanem Raum, es erklingen auch 10 Hymnen fiktiver Länder. Unter dem Titel „Hymne für ein nicht existierendes Land“ wurden von ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln, mit der Unterstützung
durch die Ernst von Siemens Musikstiftung, Kompositionsaufträge erteilt. Es wird spannend, welche akustischen Profile die Komponisten ihren Utopien verleihen.

Insgesamt erklingen beim Festival 23 Uraufführungen. Das Festival kommt damit seinem zentralen Anliegen nach, besonders junge Komponistinnen und Komponisten zu fördern. Mit der ON@ACHT BRÜCKEN Nacht eröffnet die Nachwuchsgeneration
das Festival.

Die diversen Formate von ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln untermauern den Anspruch des Festivals, in der Stadt und für die Menschen präsent und zugänglich zu sein. Drei Stadtführungen mit der AntoniterCityTours erkunden politische und spirituelle Machtzentren Kölns, das Rathaus der Stadt Köln wird zum Spielort, wenn Andriessens Kompositionen für Carillon – einem Großglockenspiel – erklingen, oder das Rathaus und seine Umgebung von Musikern des Ensemble für Neue Musik der Rheinischen Musikschule und des Collegium musicum der Universität zu Köln besetzt und bespielt wird.

An wechselnden Spielorten gibt es täglich bei ACHT BRÜCKEN Lunch um 12:30 Uhr die Möglichkeit, kostenlose Appetithappen zu genießen. Die Lunch-Reihe bietet neben dem klassischen Vorgeschmack auf das Abendprogramm auch exklusive Delikatessen, eine Filmvorführung und ein Podium für Gesprächsrunden an.

Im ACHT BRÜCKEN Festivalzelt schließt der Tag mit einem offenen Ende ab. Die ACHT BRÜCKEN Lounge bietet Raum für Konzerte in lockerer Atmosphäre und lädt anschließend zu Jamsessions ein. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

Für die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Musik und Politik sorgen Gespräche, Diskussionen und Konzerteinführungen. Auf dem Programm stehen z. B. eine Podiumsdiskussion zum Thema „Politische Musik heute“ mit Heiner Goebbels und Louwrens Langevoort am 4. Mai, ein Gespräch zwischen Georg Katzer und Jochen Voit unter dem Titel „Ein politisch Lied, ein garstig Lied“ am 5. Mai, ein Gespräch mit Frederic Rzewski im Anschluss an sein Konzert am 7. Mai und eine Diskussion im Rahmen der ACHT BRÜCKEN Schreibschule am 7. Mai. Die Schreibschule bietet auch in diesem Jahr Studierenden die Möglichkeit, Grundlagen des journalistischen Schreibens über zeitgenössische Musik zu erwerben.

Für alle, die Lust am Musizieren und gemeinschaftlichem Experimentieren haben, bietet sich der spielBar Workshop in Zusammenarbeit mit dem Ensemble musikFabrik an. Der spielBar Workshop ist ein Angebot der Musikvermittlung und kann bereits
von Kindern ab 10 Jahre besucht werden. Mit zwei weiteren Workshops für Schulkinder und zwei Aufführungen in der Kölner Philharmonie, in der Kinder aus 12 Kölner Grundschulen unter dem Titel „Singen mit Klasse“ auftreten, bezieht ACHT BRÜCKEN | Musik aus Köln auch in diesem Jahr wieder die jüngsten Kölner Bürger in ihr Programm ein.

Das vollständige Programm des Festivals gibt es hier.

Quelle: www.achtbruecken.de
F
oto: KölnMusik/Matthias Baus

Jazztermine aktualisiert

Die Cologne Jazz Supporters haben die von Hans-Bernd Kittlaus zur Verfügung gestellten, kompromisslos subjektiven Veranstaltungstipps  für Köln und Umgebung aktualisiert. Es sind bereits rd. 200 Jazz Termine bis zum Januar 2016 erfasst.

Termine „Kommunikation 9“ 2015 von Jens Düppe

Jens Düppe hat das diesjährige Programm seiner Konzertreihe „Kommunikation 9“ veröffentlicht:

Kommunikation-9-Flyer-DinLang-1Kommunikation-9-Flyer-DinLang-2mehr unter www.jensdueppe.de

 

Filippa Gojo Quartett gewinnt Neuen Deutschen Jazzpreis 2015

Das Filippa Gojo Quartett hat den Neuen Deutschen Jazzpreis 2015 der IG Jazz Rhein-Neckar, Mannheim, gewonnen. Bei einer Publikumswahl in Mannheim konnte sich das Ensemble aus dem Kölner Raum gegen zwei andere Bands durchsetzen.

Der mit insgesamt 10 000 Euro dotierte Preis gilt als höchstdotierte Auszeichnung für professionelle deutsche Jazzbands. Kurator 2015 und damit für die Auswahl der Finalisten zuständig war in diesem Jahr der aus Detroit, Michigan, stammende Altsaxophonist  und Grammy-Award-Gewinner Kenny Garrett.   Die Sängerin Filippa Gojo gewann auch den Solistenpreis, der mit 1000 Euro dotiert ist.

Herzlichen Glückwunsch.

Filippa Gojo Quartett

Filippa Gojo – Gesang
Sebastian Scobel – Klavier
David Andres – Kontrabass
Lukas Meile – Perkussion

Die weiteren Finalisten waren:

Lutz Häfner & Rainer Böhm plus Celli

Lutz Häfner – Saxophon
Rainer Böhm – Klavier
Cornelius Boensch – Cello 1
VeroniKa Zucker – Cello 2
Irene von Fritsch – Cello 3
Nayon Han – Cello 4

Andreas Matthias Pichler

Andreas Pichler – Gesang, Banjo, Schlagzeug
Matthias Pichler – Gesang, Kontrabass

(c) Foto: Gerhard Richter, Köln

Filippa Gojo Quartett im Finale des Neuen Deutschen Jazzpreises 2015

Das Kölner Filippa Gojo Quartett wurde für das Finale des Neuen Deutschen Jazzpreises 2015 der IG Jazz Rhein-Neckar, Mannheim nominiert.

Die Wettbewerbskonzerte finden am Samstag, dem 14. März 2015, 20 Uhr  in der Alten Feuerwache, Mannheim statt.

Die Cologne Jazz Supporters wünschen dem Filippa Gojo Quartett Viel Erfolg.

Das Filippa Gojo Quartett:

Filippa Gojo – Gesang
Sebastian Scobel – Klavier
David Andres – Kontrabass
Lukas Meile – Perkussion

Hans-Bernd Kittlaus: Jazz Cruise 2015

Hans-Bernd Kittlaus berichtet in seinem Blog über die Jazz Cruise 2015, bei der 2.000 Passagiere und 100 Spitzenmusiker eine Woche von Fort Lauderdale durch die Karibik kreuzten.

Hier geht es zum Blog von Hans-Bernd Kittlaus

Außerdem findet sich dort auch ein tolles Porträt über Josha Oetz.

Kölner WinterJazz 2015 – Beitrag von Dietrich Schlegel

Auch wenn Angelika Niescier, preisgekrönte Saxophonistin, Komponistin und Bandleaderin, viel international unterwegs ist, bleibt sie ihrer – auch musikalischen – Heimatstadt Köln doch eng verbunden. Und es scheint ihr Ehrgeiz zu sein, diese Nähe nicht nur durch eigene Konzerte zu beweisen, sondern auch durch den von ihr initiierten und durch ihr weitverzweigtes Netzwerk auf hohem Niveau besetzten „Winterjazz“ – nun schon zum vierten Mal der Auftakt zur Kölner Jazz-Saison. Am 9. Januar wurden die auf einen langen Abend konzentrierten Auftritte der rund 60 Musiker in 20 Formationen auf fünf Bühnen wieder zu einem Highlight des Kultur- und Musiklebens der rheinischen Metropole, der neben Berlin wohl vitalsten Jazzmetropole Deutschlands. Aus der Stadtkasse gab es denn auch erneut einen gehörigen Zuschuss, ebenso vom Land NRW.

Der Eintritt war wiederum frei. Darauf legt Angelika Niescier auch großen Wert, denn sie möchte neben den Jazzfans auch junge Leute ansprechen, die unter dem Eindruck der geballten Jazz-Ladung sich neben ihren Pop-Vorlieben vielleicht auch dem Jazz zuwenden könnten. So war der Andrang des überwiegend jungen Publikums wiederum gewaltig und wuchs schnell zur drangvollen Enge an. Viele blieben auf dem einmal eroberten Stuhl einfach sitzen. Sie wurden im meist einstündigen Wechsel der Bands auch üppig bedient. Andere zogen den Wechsel vor, standen dann aber auch schon mal vor verschlossener Saaltür oder konnten die Menschentraube im Eingangsbereich nicht durchstoßen. Aber der Mengenfaktor beim Publikum und den Musikern gehört zum Ambiente des „Winterjazz“. So muss sich auch der Berichterstatter auf eine Auswahl der Auftritte beschränken, nicht nur aus subjektiven, sondern auch aus logistischen Gründen.
Mittelpunkt war mit seinen drei Bühnen wieder der „Stadtgarten“, der mit seinem bewährten Team unter Matthias von Welck Organisation und Koordination der sich zeitlich und räumlich überschneidenden Konzerte gewährleistete. Gleich der Opener im Restaurant hatte es in sich: das Trio „Punchin‘ Pigs“ mit dem innovativen Posaunisten Paul Hubweber, dem unorthodoxen Bassisten Joscha Oetz, der gerade mit seiner CD „Perfektomat“ Furore macht, und dem Alleskönner Jens Düppe an den Drums, heizten dem Publikum mit brodelndem Groove ein. Wer sich danach abkühlen wollte, wechselte hinüber in den Konzertsaal zum Quartett der feinsinnigen Altsaxophonistin Kristina Brodersen und des Pianisten Tobias Weindorf, mit Christian Ramond (b) und Hendrik Soll (dr), deren Spielauffassung eher intellektuell daherkommt, ohne verkopft zu wirken, dazu waren die eigenen Kompositionen zu melodiös, durchsetzt mit vor allem Weindorfs Ausflügen in heißere Gefilde.
Komplexer ging es im Keller, dem „Studio“, mit dem „Tria Lingo“ zu. Obwohl Johannes Lemke (as), André Nenza (b) und Christoph Hillmann (dr) seit zehn Jahren zusammen auftreten, überraschen sie immer wieder mit einer neuen Konzeption, deren eine feste Komponente jedoch die vor allem durch Hillmann eingebrachte ethnisch-exotische Couleur bleibt. Dann ein Sprung hinüber durch Sturm und Regen auf die andere Straßenseite ins Bistro „Zimmermann’s“, auch hier in einen überfüllten Keller, wo sich die Kölner Bassistin Ulla Oster unter dem Bandnamen „.Git Init“ mit zwei Gitarristen, Vincent Goritzki und Andreas Wahl, plus Ralf Gessler (dr) zusammengespannt hatte, um ihre Zuhörer einem klanglichen Wechselbad von kräftigen Grooves und mal schrillen, mal melodiös-sanften Klängen auszusetzen. Auch den anderen beiden hier gastierenden Bands – „Westinato“ mit dem E-Vibraphonisten Dierk Peters, Stefan Berger (db) und Rafael Calman (dr) sowie „Colonel Petrov’s Good Judgement“ mit Sebastian Müller (g), Leo Huhn (sax), Reza Askari (b), Nils Tegen und Rafael Calman (beide dr) – scheuten in ihren Performances nicht das avantgardistische Experiment, dem gelegentlich laut Programmheft ein „Funken Wahnsinn“ durchaus anhaftete.

Auch zur benachbarten, unplugged Duos vorbehaltenen kölschen Kneipe „Umleitung“ kam man nicht trockenen Fußes. Aber es lohnte sich, auch wenn für manche Gäste im Gedränge die Musiker zwar zu hören, aber nicht zu sehen waren, so der vielseitige und vielbeschäftigte Gitarrist Frank Wingold mit der vor Energie sprühenden französischen, in Köln lebenden Tenorsaxophonistin Christine Corvisier oder das dem Free Jazz verhaftete Gespann der – kein Paradoxon! – bewährten Erneuerer Carl Ludwig Hübsch (tu) und Matthias Schubert (ts). Immer neue Ideen hat auch der Schlagzeuger und Percussionist Jens Düppe, der nach dem Opener im Studio nochmal antrat, der Soundtüftler diesmal geerdet mit seiner Akustik Band, die seine eigene Kompositionen für die demnächst erscheinende Debüt-CD präsentierte. Mit dabei Frederik Köster (tp), Lars Duppler und nochmals Christian Ramond (b).

Im vollgepackten Konzertsaal hatte derweil die österreichische Ausnahmevokalistin Filippa Gojo mit ihren Mitstreitern Sebastian Scobel (p), David Andres (b) und Lukas Meile (perc) die Zuhörer in ihren Bann geschlagen Von ihren Songs, überwiegend selbst komponiert und getextet, sowie von den im Vorarlberger Dialekt ihrer Heimat vorgetragenen Volksliedern geht, getragen auch von ihrer anmutigen Bühnenpräsenz, ein eigener Zauber aus.

Das schon traditionelle Pianosolo im großen Saal in der Stunde vor Mitternacht bestritt diesmal die in den letzten Jahren zu souveräner Reife gelangte Laia Genc, die in ihren Kompositionen und Improvisationen Impressionen und Spielweisen von ihrem jüngst beendeten Studienaufenthalt in Istanbul einfließen ließ. Sie verharrte gleich am Flügel, um auch am letzten Konzert des Abends mitzuwirken. Außer ihr hatten sich Angelika Niescier, die Kontrabassisten André Nendza und Sebastian Raether sowie der Drummer Christoph Hillmann spontan versammelt, um ihren im November unerwartet verstorbenen Kollegen, den Vibraphonisten Rupert Stamm, mit seinen Kompositionen zu ehren. Diese Hommage war nicht nur ein bewegender Moment, sondern geriet überdies zum brillant gespielten und umjubelten Abschluss des so ereignisreichen „Winterjazz 2015“.

Beitragsbild von Gerhard Richter: Laia Genc

Tamara Lukasheva gewinnt Jungen Deutschen Jazzpreis

Die Cologne Jazz Supporters gratulieren Tamara Lukasheva zum Gewinn des Jungen Deutschen Jazzpreis 2014 in Osnabrück. Sie ging aus fünfzig Formationen,  die sich aus Studierenden deutscher Jazz-Hochschulen unter dreißig Jahren rekrutiert haben, als Siegerin hervor. Die Wahlkölnerin und großartige Sängerin stammt aus der Ukraine und studierte in Odessa sowie Köln Gesang und Klavier.  2012 und 2013 war sie Mitglied im Bundesjazzorchester. Tamara Lukasheva ist in 2014 noch bei folgenden Gelegenheiten in Köln zu hören: 30.11.2014, 20 Uhr mit der Riaz Khabirpour Band im ABS 12.12.2014, 20 Uhr mit “Matria“ im Freiraum 18.12.2014, 20 Uhr mit dem Tamara Lukasheva Quartett im Nachtigal

Paolo Fresu im Alten Pfandhaus

Cologne Contemporary Jazz Orchestra mit Paolo Fresu und Jens Düppe
Cologne Contemporary Jazz Orchestra mit Paolo Fresu und Jens Düppe

Der aus Sardinien stammende Trompeter  Paolo Fresu gab sich im Abschlusskonzert des diesjährigen Kölner Festival-all -Italiana  im Alten Pfandhaus am 05.11.2014 die Ehre. In einem fulminanten Konzert war es die Musik des Schlagzeugers  und Wahl-Kölners Jens Düppe, die Fresu und das Cologne Contemporary Jazz Orchestra zusammenführte. Fresu ist einer der stilprägenden europäischen Jazzmusiker unserer Zeit; seine Kunst, die im Ausgangspunkt oft mit seinem Idol Miles Davis ( in dessen Spielweise der 50iger Jahre) verglichen wurde, traf auf den  vollen Big Band Sound und insbesondere die Virtuosität und

Cologne Contemporary Jazz Orchestra mit Paolo Fresu und Jens Düppe
Cologne Contemporary Jazz Orchestra mit Paolo Fresu und Jens Düppe

Dynamik des Drummers Düppe. In jeder Sekunde war es ein großartiges Zusammenspiel von Düppe und Fresu – beide und die junge Band hatten offensichtlich ihren großen Spaß an diesem Abend. In jeder Sekunde war der gegenseitige tiefe  Respekt und die freundschaftliche Verbindung der beiden Protagonisten spürbar. Nicht zuletzt der in der zweiten Zugabe (ohne Bigband) gespielte geradezu leise Abschluss mit einer sardinischen Volksweise machte dies unüberhörbar.

Großer Beifall und ein gelungener Abschluss des Festivals. Und wer die Chance hat, Paolo Fresu bei anderer Gelegenheit zu hören, sollte sie nutzen: Outstanding !!

Joscha Oetz: Perfektomat

Joscha Oetz

Perfektomat

Klaeng 007

Der Kölner Bassist und Komponist Joscha Oetz ist nach langjährigen Aufenthalten in Kalifornien und Peru wieder nach Köln zurückgekehrt. Die vorliegende CD reflektiert vor allem seine peruanischen Erfahrungen mit einer kraftvollen rhythmusbetonten Musik in acht Eigenkompositionen. Dazu hat Oetz die in Deutschland lebende Peruanerin Laura Robles am Cajon und den mit allen weltmusikalischen Wassern bestens vertrauten Bodek Janke am Schlagzeug in seine Band gebeten. Gemeinsam schaffen die drei ein Feuerwerk an faszinierenden Rhythmen, die man in Deutschland kaum kennt. In „Perfect Grey“ ist das der Festejo-Rhythmus, zu dem Johannes Lauer die Quijada bedient, die aus einem Eselsgebiss besteht. In „Caral“ spielt Simon Nabatov, sonst eher als Avantgarde-Pianist bekannt, ein ausdrucksstarkes Solo über dem trägen Lando-Rhythmus. Hier wie auch in einigen weiteren Stücken bringt Saxofonist Niels Klein eine willkommene Coolness in die heiße Musik. „Eastern Presence“ ist schließlich eine Verbeugung vor dem gebürtigen Russen Nabatov und vor Janke mit polnischen und russischen Vorfahren, die beide eine verblüffende Affinität zu den peruanischen Rhythmen demonstrieren. Bei allem weltmusikalischen Hintergrund bietet diese CD mitreißenden „Real Jazz“ auf höchstem Niveau und ist ein Top-Kandidat für die üblichen Jahresbestenlisten.